
Ferdinand Wagner

Morbus Perthes im frühen Kindesalter: Wann Physiotherapie reicht - und wann eine Operation sinnvoll ist
Unser Chefarzt PD Dr. Ferdinand Wagner hat die aktuelle Behandlungsstrategie bei Morbus Perthes im frühen Kindesalter veröffentlicht.
Was ist Morbus Perthes?
Morbus Perthes ist eine Erkrankung der Hüfte, bei der der Hüftkopf durch Minderdurchblutung vorübergehend geschwächt wird. Bei Kindern unter sechs Jahren verläuft die Krankheit oft günstig, wenn sie früh erkannt wird.
Worum geht es medizinisch?
Durch die verminderte Durchblutung stirbt Knochengewebe im Hüftkopf ab, während Knorpel und umliegendes Gewebe weitgehend intakt bleiben. Der Körper repariert den Knochen nach und nach, doch ohne ausreichende Abdeckung durch die Hüftpfanne kann der Hüftkopf deformiert werden.
Was sind typische Symptome für Morbus Perthes?
Eltern bemerken meist Hinken, Schmerzen in der Hüfte oder im Knie und eingeschränkte Beweglichkeit. Frühzeitige Symptome können unspezifisch sein, wie wiederkehrende Knieschmerzen.
Wie funktioniert die Diagnostik?
Kinderärzte oder Orthopäden erkennen Morbus Perthes durch Untersuchung der Beweglichkeit und bildgebende Verfahren wie Röntgen oder Ultraschall. MRT kann in speziellen Fällen hilfreich sein, ist aber bei Kleinkindern oft nur unter Narkose möglich und selten notwendig.
Wie werden Kinder mit Morbus Perthes behandelt?
Bei Kindern unter sechs Jahren wird meist konservativ behandelt: Schonende Bewegung, Physiotherapie zur Erhaltung der Hüftbeweglichkeit und alltagsgerechte Aktivitätssteuerung. In Schmerzphasen können Medikamente oder Hilfsmittel wie Unterarmgehstützen vorübergehend helfen. Nur bei besonderen „Hip-at-risk“-Zeichen, wie zunehmender Abweichung des Hüftkopfes, ist eine Operation nötig. Eingriffe wie die Femurvarisations- oder Beckenosteotomie sichern dann die optimale Form des Hüftkopfes.
Wie ist die Prognose?
Die meisten Kinder erholen sich gut, behalten eine normale Hüftfunktion und vermeiden langfristige Probleme. Entscheidend sind frühzeitige Erkennung, regelmäßige Kontrolle und konsequentes Üben zuhause.
Was bedeutet das für die Praxis?
Die aktuelle Forschung zeigt, dass die konservative Behandlung bei Kleinkindern meist ausreicht und Operationen nur gezielt für Risikohüften eingesetzt werden. Eine Behandlung in spezialisierten Zentren sichert dabei die besten Ergebnisse.
Setzen Sie sich gerne direkt mit unserem Experten Privatdozent Dr. Ferdinand Wagner in Verbindung.
