
Ferdinand Wagner

Bei der neurogenen Hüftdezentrierung steht der Hüftkopf nicht mehr optimal in der Hüftpfanne. Die Hüfte kann sich dabei langsam nach außen verlagern. Man spricht dann von einer Hüftdezentrierung, Hüftsubluxation oder — bei vollständigem Herausrutschen des Hüftkopfes — von einer Hüftluxation.
Dieses Krankheitsbild tritt vor allem bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit neurologischen Grunderkrankungen auf, zum Beispiel bei infantiler Cerebralparese (ICP), Spina bifida/Meningomyelozele (MMC), nach erworbenen Hirn- oder Rückenmarksschädigungen oder bei anderen neuromuskulären Erkrankungen. Anders als bei der angeborenen Hüftdysplasie ist die Hüfte bei vielen dieser Kinder zunächst unauffällig. Durch veränderte Muskelspannung, Muskelungleichgewicht, eingeschränkte Beweglichkeit und eingeschränkte oder fehlende Gehfähigkeit kann sich die Hüfte im Laufe des Wachstums zunehmend dezentrieren.
(Auf dem Bild ganz oben auf der Seite sehen Sie eine Patientin mit linksbetonter Cerebralparese und Hüftdezentrierung links. Außerdem besteht eine Steilstellung bei der Schenkelhälse (Coxa valga). Im rechten Bild zeigt sich der Zustand nach Operation. Es wurde auf der einen Seite eine Acetabuloplastik nach Dega und eine Derotationsvariationsosteotomie (DVO) zur besseren Zentrierung durchgeführt. Auf der Gegenseite (weniger betroffen) wurde über eine kleine Hautinzision eine wachstumslenkende Schenkelhalsschraube implantiert (minimal-invasive PETS).)
Die neurogene Hüftdezentrierung entsteht meist nicht plötzlich, sondern entwickelt sich über Monate oder Jahre. Wichtige Ursachen sind:
Je stärker die motorische Einschränkung ist, desto höher ist in der Regel das Risiko für eine Hüftdezentrierung. Deshalb sind regelmäßige kinder- und neuroorthopädische Kontrollen wichtig — auch dann, wenn noch keine Schmerzen bestehen. Hier ist die sogenannte radiologische „Hüftampel“ sinnvoll, welche auch mittels Sonographie dargestellt werden kann. Dies konnten wir in einer unserer Studien zeigen.
SYMPTOME
Eine beginnende Hüftdezentrierung verursacht bei vielen Kindern zunächst keine eindeutigen Beschwerden. Hinweise können sein:
Gerade bei Kindern mit eingeschränkter Kommunikation können Schmerzen schwer zu erkennen sein. Veränderungen beim Sitzen, Schlafen, Pflegen oder Bewegen sollten deshalb ernst genommen und orthopädisch abgeklärt werden.
DIAGNOSTIK
Die Diagnostik beginnt mit einer sorgfältigen klinischen Untersuchung. Dabei beurteilen wir unter anderem Beweglichkeit, Muskeltonus, Schmerzen, Sitz- und Stehfähigkeit, Beinachsen, Wirbelsäule, Beckenstellung und vorhandene Hilfsmittel.
Zur Beurteilung der Hüftstellung wird in der Regel eine röntgenologische Beckenübersichtsaufnahme durchgeführt. Dabei wird der sogenannte Migrationsindex nach Reimers bestimmt. Er beschreibt, welcher Anteil des Hüftkopfes nicht mehr ausreichend von der Hüftpfanne überdacht wird. Je nach Alter, motorischem Funktionsniveau und Verlauf werden die Kontrollabstände individuell festgelegt.
Bei einzelnen Fragestellungen oder als Verlaufskontrollen können ergänzend Ultraschall, weitere Röntgenaufnahmen oder eine MRT-Untersuchung sinnvoll sein. Ziel ist, eine gefährdete Hüfte frühzeitig zu erkennen, bevor Schmerzen, Pflegeprobleme oder eine vollständige Luxation entstehen.
Die Behandlung richtet sich nach dem Alter, dem Ausmaß der Dezentrierung, der Beweglichkeit, dem Schmerzbild, der Geh- und Sitzfähigkeit sowie nach den Zielen des Kindes und der Familie. Wichtig ist ein individueller Therapieplan.
Konservative Behandlung der neurogenen Hüftdezentrierung
Bei milder oder beginnender Dezentrierung stehen zunächst konservative Maßnahmen im Vordergrund. Dazu gehören:Konservative Maßnahmen können Beschwerden lindern, Beweglichkeit erhalten und die Versorgung im Alltag verbessern. Bei fortschreitender Dezentrierung reichen sie jedoch häufig nicht aus, um den Hüftkopf dauerhaft zentriert in der Pfanne zu halten.
Operative Behandlung der neurogenen Hüftdezentrierung
Wenn die Hüfte weiter aus der Pfanne wandert, Schmerzen verursacht oder die Sitz-, Pflege- oder Mobilitätsfähigkeit gefährdet, kann eine Operation notwendig werden. Ziel der Operation ist es, den Hüftkopf wieder möglichst stabil und schmerzfrei in die Hüftpfanne einzustellen.Je nach Befund kommen unterschiedliche Verfahren infrage:
Die Operation wird so geplant, dass die Hüfte stabilisiert wird und gleichzeitig Alltag, Pflege, Sitzen, Stehen und Mobilität bestmöglich unterstützt werden. Einen Beckenbeingips können wir in den meisten Fällen vermeiden.

Kinder mit Zerebralparese (ICP) oder einer angeborenen Hüftreifungsstörung (DDH) brauchen regelmäßige Hüftkontrollen, damit ein „Weglaufen“ des Hüftkopfs aus der Pfanne (Dezentrierung) früh erkannt und behandelt werden kann. Röntgen ist dafür üblich – bedeutet aber Strahlenbelastung. Die Studie prüft, ob Ultraschall (US) als strahlenfreie Alternative das Gleiche zuverlässig feststellen kann.

Coxitis fugax ist die häufigste Ursache für akute Hüftschmerzen bei Kindern. Erfahren Sie in diesem Artikel, wie die Erkrankung sicher erkannt, behandelt und von schwerwiegenden Ursachen abgegrenzt werden kann.

Orthopäden, Traumatologen und Pädiater werden nicht selten mit dem Krankheitsbild der Epiphyseolysis capitis femoris konfrontiert. Häufig besteht bei den jungen Patienten akuter Handlungsbedarf. Umso wichtiger ist es daher, typische Symptome zu erkennen und über die aktuell empfohlene Bildgebung sowie die Therapie Bescheid zu wissen.

Die Beurteilung des Wachstumsstands bei Kindern und Jugendlichen ist entscheidend für viele orthopädische Behandlungen – zum Beispiel bei Skoliose oder Beinlängendifferenzen.
Bisher wird dafür oft das sogenannte Sanders Scoring System (SMS) verwendet, das auf Röntgenaufnahmen der Hand basiert. Doch gerade bei jungen Patient*innen sollte man den Einsatz von Röntgen aus Gründen des Strahlenschutzes möglichst vermeiden.








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