Idiopathische Skoliose

Die erworbene (idiopathische) Skoliose ist eine von der Seite ausgehende Wirbelsäulenverkrümmung, die sich ohne erkennbare Ursache und unabhängig von anderen Erkrankungen im Laufe des Wachstums entwickelt. Häufig sind die Wirbelkörper in sich und die Wirbelsäule in ihrer Längsachse verdreht. Je nachdem, in welchem Alter sie auftritt, sprechen wir von infantiler Skoliose (bis zum Alter von drei Jahren), juveniler Skoliose (ab dem dritten bis zum neunten Lebensjahr) und von adoleszenter Skoliose (zwischen dem zehnten und achtzehnten Lebensjahr). Die individuelle Behandlung der Skoliose bei Ihrem Kind richten wir nach dem Alter und dem damit verbundenen Restwachstum sowie danach aus, wie stark die Wirbelsäulenverkrümmung ausgeprägt ist.
 

Ursachen

Die idiopathische Skoliose wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst und kann genetisch bedingt sein. Erst wenn andere Ursachen für die Wirbelsäulenverkrümmung ausgeschlossen werden können, stellen wir die Diagnose (Ausschlussdiagnose) und richten die geeignete Therapie für Ihr Kind daran aus.

Symptome

Typische Symptome der idiopathischen Skoliose bei Kindern und Jugendlichen sind neben teilweise auftretenden belastungsabhängigen Schmerzen im Rücken ein Rippenbuckel, ein Lendenwulst beziehungsweise ein asymmetrischer Schulter-, Brust- oder Beckenstand. Insbesondere Jugendliche leiden häufig an den sichtbaren körperlichen Veränderungen, neigen zu mangelndem Selbstbewusstsein und depressiver Verstimmung. Mit zunehmendem Alter und im weiteren Verlauf kann die erworbene Skoliose abhängig von ihrem Schweregrad Rücken- und Nackenschmerzen verursachen und in Fällen einer starken Krümmung die Atmung einschränken.

Behandlungsmethoden

Die idiopathische Skoliose bei Ihrem Kind können wir nach ausführlicher Untersuchung und unter Berücksichtigung verschiedener Faktoren wie dem Alter, dem möglichen Restwachstum, dem Krümmungsgrad (Cobb-Winkel) und der Skelettreife bereits frühzeitig behandeln. Die meisten infantilen Skoliosen im Säuglings- und Kleinkindalter korrigieren sich spontan und ohne Therapie. Bei einer starken Wirbelsäulenverkrümmung können wir eingreifen, um das Wachstum der Wirbelsäule zu lenken und Folgebeschwerden zu verhindern oder zu mindern. Eine Operation kann die Therapie der Wahl sein, wenn die Fehlbildung bei Ihrem Kind stark ausgeprägt beziehungsweise das Risiko für eine sich entwickelnde schwere Skoliose sehr hoch ist. Das Ziel ist, die Ausprägung der Kypho-/Skoliose so gering wie möglich zu halten und die Wirbelsäule Ihres Kindes bis zum Abschluss der Wachstumsphase in eine möglichst gesunde Form zu bringen. Daneben berücksichtigen wir, ob und in welchem Ausmaß andere Organe und Funktionen mitbetroffen sind oder sein können. Insbesondere die Entwicklung von Lunge und Kreislauf spielen eine wichtige Rolle bei der Entscheidung für den geeigneten Zeitpunkt eines operativen Eingriffs. Welche konservativen und operativen Verfahren in Frage kommen, um die Skoliose bei Ihrem Kind erfolgreich zu therapieren, besprechen unsere Experten gerne individuell mit Ihnen.
 

Konservative Behandlungsmethode

​​​​​​​Eine wichtige Rolle in unserer Behandlung der Skoliose spielt die skoliosespezifische Physiotherapie in Verbindung mit selbst durchführbaren rumpfstabilisierenden Übungen. Sie kann helfen, Fehlhaltungen entgegenzuwirken und die Beweglichkeit sowie die funktionellen Fähigkeiten Ihres Kindes zu verbessern. Fehlbildungen der Wirbelsäule können durch physiotherapeutische Maßnahmen nicht behoben, bei milder Ausprägung (Cobb-Winkel: Brustwirbelsäule < 25°, Lendenwirbelsäule < 20°) in der Wachstumsphase jedoch meist gut ausgeglichen und ausreichend behandelt werden. Bei einer mittelgradig ausgeprägten Skoliose (Cobb-Winkel: Brustwirbelsäule 25-50°, Lendenwirbelsäule 20-40°) können wir das weitere Fortschreiten der Wirbelsäulenverkrümmung im Verlauf und bis zum Abschluss der Wachstumsphase Ihres Kindes in manchen Fällen mithilfe einer zusätzlichen Korsett-Therapie aufhalten. Bei starker Ausprägung (Cobb-Winkel: Brustwirbelsäule > 50°, Lendenwirbelsäule > 40°) oder wenn ein hohes Risiko für ein rasches Fortschreiten der Skoliose vorliegt, können wir schon im frühen Kindesalter durch eine Operation korrigierend oder wachstumslenkend eingreifen. Im Fall einer operativen Behandlung der Skoliose bei Ihrem Kind sind eine anschließende Physiotherapie sowie eine Ergotherapie wesentliche Bestandteile unseres konservativen Behandlungsangebots.
 

Korsett-Therapie

​​​​​​​Befindet sich Ihr Kind noch im Wachstum und ist die Skoliose mittelgradig ausgeprägt, kann eine Korsett-Therapie sinnvoll sein. Sie hilft ergänzend zu Physiotherapie und Eigenübungen dabei, das Fortschreiten der Wirbelsäulenverkrümmung aufzuhalten, solange die Wirbelsäule noch flexibel und formbar ist. Ziel ist, den Krümmungsgrad bis zum Ende der Wachstumsphase in einem Maß zu halten, mit dem Ihr Kind auf Dauer problemlos leben kann. Das Korsett wird individuell auf Ihr Kind angepasst und unterstützt die Haltung dynamisch, indem es sich sich mit jedem Atemzug und jeder Bewegung mitbewegt. Diese Therapie ist eine längerfristige therapeutische Maßnahme und das Korsett sollte 18-20 Stunden täglich getragen werden. Wird diese tägliche Tragedauer (inklusive nachts) konsequent eingehalten, kann das Korsett zwischendurch für sportliche Aktivitäten auch abgelegt werden. Über den gesamten Therapieverlauf hinweg kontrollieren wir regelmäßig den passgenauen Sitz und die Korrekturfunktion, bis die Therapie mit dem abgeschlossenen Wachstum Ihres Kindes beendet werden kann.
 

Operative Behandlungsmethode

In einigen Fällen ist es ausreichend, die Wirbelsäule nur im Bereich der Hauptkrümmung zu versteifen (kurzstreckige Versorgung), in anderen greifen wir zusätzlich wachstumslenkend ein, um die Skoliose zu behandeln. Meist operieren wir die Wirbelsäule von hinten (dorsal), in einzelnen Fällen von vorne (ventral) über die Bauch- oder Brusthöhle oder im Bereich der Halswirbelsäule. Welches operative Verfahren für die Behandlung der Skoliose bei Ihrem Kind in Frage kommt, hängt von verschiedenen individuellen Faktoren ab, wie dem Alter und der Stärke der Fehlbildung sowie den mitbetroffenen Regionen. Unsere erfahrenen Experten aus allen beteiligten Spezialgebieten wie Chirurgie, Neurologie, Anästhesie, Pflege und Physio- sowie Ergotherapie sind in die operative Behandlung Ihres Kindes von Beginn an eingebunden und stimmen sich laufend eng ab. Die Einzelheiten des operativen Eingriffs besprechen unsere Experten ausführlich mit Ihnen und stehen Ihnen bei allen Fragen rund um die Operation Ihres Kindes zur Seite.
 

Versteifender Eingriff

Die Wirbelsäulenverkrümmung bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen können wir operativ mithilfe von Implantaten korrigieren. Dabei verbinden (fusionieren) wir die Wirbel im betroffenen Bereich, so dass diese auf Dauer zu einem längeren Knochenabschnitt (Knochenstab) zusammenwachsen. In diesem versteiften Bereich wächst die Wirbelsäule danach nur noch geringfügig weiter. Der Eingriff eignet sich für Kinder, deren Wachstum bereits weitgehend abgeschlossen ist. Ob eine Versteifungsoperation für Ihr Kind in Frage kommt, hängt daher unter anderem vom Alter ab

Wachstumslenkender Eingriff

Eine starke Wirbelsäulenverkrümmung bei Kindern unter zwölf Jahren, die sich noch mitten in der Wachstumsphase befinden, können wir operativ wachstumslenkend behandeln. Auf diese Weise begleiten und lenken wir das weitere Wachstum der Wirbelsäule schonend bis zum Abschluss der Wachstumsphase, um die Ausprägung der Skoliose zu mindern und ein weiteres Fortschreiten der Verkrümmung zu verhindern. Dies können wir einerseits über an der Wirbelsäule befestigte magnetisch kontrollierte Wachstumsstäbe. Diese verlängern wir in etwa dreimonatigen Abständen ambulant über eine Art Fernbedienung schrittweise und vollkommen schmerzfrei, bis wir sie nach abgeschlossenem Wachstum Ihres Kindes durch normale Stäbe ersetzen können. Ein weiteres Verfahren stellt das schonende operative Einsetzen von Implantaten dar, die in regelmäßigen Abständen von meist sechs bis zwölf Monaten im Rahmen kleiner operativer Eingriffe nachgestellt und angepasst werden. Damit können wir das Wachstum kontrollieren und gleichzeitig verhindern, dass die Implantate mit der Wirbelsäule verwachsen.
 

Unsere Spezialisten

Unsere Experten der Orthopädischen Kinderklinik Aschau stehen Ihnen vom Erstgespräch über eine Operation bis hin zur Nachsorge mit jahrzehntelanger Erfahrung zur Seite, um die individuell ausgeprägte Skoliose bei Ihrem Kind erfolgreich zu behandeln und Folgebeschwerden zu vermeiden beziehungsweise so gering wie möglich zu halten.
 

Dr. med. habil.
Bronek Boszczyk
Dr. med. habil. Bronek Boszczyk Visiting Professor Nottingham Trent University School of Science and Technology Partner BBL Healthcare Solutions LTD Founder NSpine

Therapiemöglichkeiten

Unsere erfahrenen physiotherapeutischen Experten helfen ihrem Kind mit speziell auf die Skoliosebehandlung zugeschnittenen Übungen bei der individuellen körperlichen Kräftigung und Verbesserung der Beweglichkeit.

Unsere Spezialisten aus der Ergotherapie betreuen Ihr Kind nach der Skoliose-OP intensiv, damit es innerhalb der ersten Woche nach der Operation wieder selbständig Gehen und Treppensteigen kann.

Physiotherapie

Unsere erfahrenen Experten der Physiotherapie helfen ihrem Kind mit individuellen Übungen bei der körperlichen Kräftigung, um Schmerzen zu beheben und zu vermeiden.

Ergotherapie

Unsere Spezialisten der Ergotherapie helfen Ihrem Kind dabei, ein sicheres Gefühl für die orthoprothetische Versorgung zu entwickeln und diese bestmöglich zu nutzen.

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Ob Fragen über Behandlungsmöglichkeiten, Terminvereinbarungen oder Informationen über unsere Fördermöglichkeiten - wir beraten Sie gerne!

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