
Ferdinand Wagner

Der Klumpfuß ist eine angeborene Fehlstellung des Fußes. Dabei ist der Fuß typischerweise nach innen gedreht, die Fußsohle zeigt vermehrt nach innen, der Vorfuß ist nach innen geführt und die Ferse steht häufig in Spitzfußstellung. Der medizinische Begriff lautet Pes equinovarus adductus.
Ein Klumpfuß kann einseitig oder beidseitig auftreten. Meist handelt es sich um einen angeborenen, sogenannten idiopathischen Klumpfuß, also ohne erkennbare übergeordnete Grunderkrankung. Klumpfüße können aber auch im Zusammenhang mit neurologischen, muskulären oder syndromalen Erkrankungen auftreten, zum Beispiel bei Arthrogrypose (AMC), Spina bifida (MMC) oder anderen neuromuskulären Krankheitsbildern. In diesen Fällen ist die Behandlung oft anspruchsvoller und muss besonders individuell geplant werden.
Die Klumpfußbehandlung hat in unserer Klinik eine lange Tradition. Heute erfolgt die Erstbehandlung in der Regel nach der Ponseti-Methode — einem bewährten, schonenden und international etablierten Therapiekonzept.
Die genaue Ursache des angeborenen Klumpfußes ist nicht immer bekannt. Wahrscheinlich spielen mehrere Faktoren zusammen. Dazu gehören eine veränderte Entwicklung von Knochen, Gelenken, Muskeln, Sehnen und Bändern des Fußes sowie familiäre und genetische Einflüsse.
Wichtig ist: Eltern haben nichts falsch gemacht. Entscheidend ist ein früher Behandlungsbeginn, damit der Fuß möglichst schonend korrigiert und die spätere Steh- und Gehfähigkeit bestmöglich unterstützt werden kann.
Ein Klumpfuß fällt meist direkt nach der Geburt auf. Typische Zeichen sind:
Bei einseitigem Klumpfuß kann der betroffene Fuß auch im späteren Wachstum etwas kleiner bleiben. Häufig ist dies funktionell gut ausgleichbar und im Alltag kaum einschränkend.
Diagnostik
Die Diagnose wird in der Regel klinisch gestellt, also durch die Untersuchung des Fußes. Dabei beurteilen wir Beweglichkeit, Ausmaß der Fehlstellung, Hautfalten, Fußform, Wadenmuskulatur und ob weitere Auffälligkeiten an Beinen, Hüften, Wirbelsäule oder Händen bestehen.
Röntgenbilder sind bei Neugeborenen meist nicht notwendig. Vor einer Operation, bei älteren Kindern, Rezidiv-Klumpfüßen oder komplexen Fehlstellungen können Röntgenaufnahmen oder weitere Untersuchungen sinnvoll sein.
Klumpfuß: Behandlung nach Ponseti
Die Ponseti-Therapie ist die Standardbehandlung des angeborenen Klumpfußes. Sie besteht aus drei wichtigen Bausteinen: Gipskorrektur, gegebenenfalls perkutaner Achillessehnenverlängerung und anschließender Schienenbehandlung.
Seriengipse
Die Behandlung beginnt meist in den ersten Lebenswochen. Der Fuß wird dabei vorsichtig Schritt für Schritt korrigiert. Nach jeder Korrektur wird ein Gips angelegt, der die erreichte Stellung hält. In der Regel wird der Gips wöchentlich gewechselt.
Diese Gipse reichen üblicherweise vom Fuß bis zum Oberschenkel. Sie sind notwendig, damit die Korrektur nicht nur am Vorfuß, sondern am gesamten Fuß sicher geführt wird. Die Anzahl der Gipse hängt vom Ausgangsbefund ab.
Achillotenotomie
Bei vielen Kindern bleibt nach der Gipsserie noch eine Spitzfußstellung bestehen. Dann ist eine kleine Durchtrennung der Achillessehne notwendig. Dieser Eingriff heißt perkutane Achilotenotomie.
Die Tenotomie ist ein kurzer Eingriff über einen sehr kleinen Hautschnitt. Danach wird nochmals ein Gips angelegt. In der Regel bleibt dieser letzte Gips für etwa drei Wochen. In dieser Zeit heilt die Achillessehne in korrigierter Länge wieder zusammen.
Schienenbehandlung
Nach Abnahme des letzten Gipses beginnt die wichtigste Phase zur Vermeidung eines Rückfalls (=Rezidiv): die Schienenbehandlung.
Je nach Befund verwenden wir eine Denis-Browne-Schiene oder eine ADM-Schiene. Die Denis-Browne-Schiene besteht aus kleinen Schuhen, die über eine Querstange miteinander verbunden sind. Sie hält die Füße in einer korrigierten Außenrotationsstellung. Die ADM-Schiene ist eine dynamische Orthese, die vor allem bei bestimmten individuellen Situationen eine Alternative sein kann.
Die Schiene wird zunächst drei Monate Tag und Nacht getragen. Im weiteren Verlauf wird die Tragezeit reduziert (nur Nachts und zum Mittagsschlaf). In der Regel soll die Schiene bis zum vierten Geburtstag nachts getragen werden. Dieses lange Tragen ist für viele Familien herausfordernd, aber sehr wichtig: Die Schiene hält das gute Korrekturergebnis und senkt das Risiko eines Rezidivs deutlich.
Bei komplexen, neurogenen oder syndromalen Klumpfüßen können zusätzlich individuell angepasste Orthesen notwendig sein. Diese werden gemeinsam mit der Orthopädietechnik angepasst und regelmäßig kontrolliert.
Klumpfuß: Behandlungablauf
Rezidiv-Klumpfuß
Ein Rezidiv bedeutet, dass sich einzelne Anteile der Klumpfußfehlstellung erneut zeigen. Das kann trotz zunächst erfolgreicher Behandlung auftreten.
Häufige Hinweise sind:
Bei einem Rezidiv gibt es verschiedene konservative und operative Behandlungsmöglichkeiten. Welche Therapie sinnvoll ist, hängt vom Alter des Kindes, der Beweglichkeit des Fußes, dem Ausmaß des Rückfalls und der bisherigen Behandlung ab.
Mögliche Maßnahmen sind:
Klumpfuß: Ziele der Behandlung
Die Behandlung des Klumpfußes soll:Für eine individuelle Beratung und Therapieplanung vereinbaren Sie bitte einen Termin in unserer kinderorthopädischen Sprechstunde.






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