Klumpfuß

Der Klumpfuß ist eine angeborene Fehlstellung des Fußes. Dabei ist der Fuß typischerweise nach innen gedreht, die Fußsohle zeigt vermehrt nach innen, der Vorfuß ist nach innen geführt und die Ferse steht häufig in Spitzfußstellung. Der medizinische Begriff lautet Pes equinovarus adductus.

Ein Klumpfuß kann einseitig oder beidseitig auftreten. Meist handelt es sich um einen angeborenen, sogenannten idiopathischen Klumpfuß, also ohne erkennbare übergeordnete Grunderkrankung. Klumpfüße können aber auch im Zusammenhang mit neurologischen, muskulären oder syndromalen Erkrankungen auftreten, zum Beispiel bei Arthrogrypose (AMC), Spina bifida (MMC) oder anderen neuromuskulären Krankheitsbildern. In diesen Fällen ist die Behandlung oft anspruchsvoller und muss besonders individuell geplant werden.

Die Klumpfußbehandlung hat in unserer Klinik eine lange Tradition. Heute erfolgt die Erstbehandlung in der Regel nach der Ponseti-Methode — einem bewährten, schonenden und international etablierten Therapiekonzept.

Ursachen

Die genaue Ursache des angeborenen Klumpfußes ist nicht immer bekannt. Wahrscheinlich spielen mehrere Faktoren zusammen. Dazu gehören eine veränderte Entwicklung von Knochen, Gelenken, Muskeln, Sehnen und Bändern des Fußes sowie familiäre und genetische Einflüsse.

Wichtig ist: Eltern haben nichts falsch gemacht. Entscheidend ist ein früher Behandlungsbeginn, damit der Fuß möglichst schonend korrigiert und die spätere Steh- und Gehfähigkeit bestmöglich unterstützt werden kann.

Symptome und typische Zeichen

Ein Klumpfuß fällt meist direkt nach der Geburt auf. Typische Zeichen sind:

  • Der Fuß ist nach innen und unten gedreht.
  • Die Ferse steht hoch oder ist schwer nach unten zu bringen. 
  • Der Vorfuß zeigt nach innen. 
  • Der Fuß wirkt kleiner oder schmaler.
  • Die Wade kann auf der betroffenen Seite etwas dünner sein.
  • Die Fehlstellung lässt sich nicht vollständig passiv ausgleichen

Bei einseitigem Klumpfuß kann der betroffene Fuß auch im späteren Wachstum etwas kleiner bleiben. Häufig ist dies funktionell gut ausgleichbar und im Alltag kaum einschränkend.

Behandlungsmethoden & Diagnostik

Diagnostik

Die Diagnose wird in der Regel klinisch gestellt, also durch die Untersuchung des Fußes. Dabei beurteilen wir Beweglichkeit, Ausmaß der Fehlstellung, Hautfalten, Fußform, Wadenmuskulatur und ob weitere Auffälligkeiten an Beinen, Hüften, Wirbelsäule oder Händen bestehen.

Röntgenbilder sind bei Neugeborenen meist nicht notwendig. Vor einer Operation, bei älteren Kindern, Rezidiv-Klumpfüßen oder komplexen Fehlstellungen können Röntgenaufnahmen oder weitere Untersuchungen sinnvoll sein.

Klumpfuß: Behandlung nach Ponseti

Die Ponseti-Therapie ist die Standardbehandlung des angeborenen Klumpfußes. Sie besteht aus drei wichtigen Bausteinen: Gipskorrektur, gegebenenfalls perkutaner Achillessehnenverlängerung und anschließender Schienenbehandlung.


Seriengipse
Die Behandlung beginnt meist in den ersten Lebenswochen. Der Fuß wird dabei vorsichtig Schritt für Schritt korrigiert. Nach jeder Korrektur wird ein Gips angelegt, der die erreichte Stellung hält. In der Regel wird der Gips wöchentlich gewechselt.
Diese Gipse reichen üblicherweise vom Fuß bis zum Oberschenkel. Sie sind notwendig, damit die Korrektur nicht nur am Vorfuß, sondern am gesamten Fuß sicher geführt wird. Die Anzahl der Gipse hängt vom Ausgangsbefund ab.


Achillotenotomie
Bei vielen Kindern bleibt nach der Gipsserie noch eine Spitzfußstellung bestehen. Dann ist eine kleine Durchtrennung der Achillessehne notwendig. Dieser Eingriff heißt perkutane Achilotenotomie.
Die Tenotomie ist ein kurzer Eingriff über einen sehr kleinen Hautschnitt. Danach wird nochmals ein Gips angelegt. In der Regel bleibt dieser letzte Gips für etwa drei Wochen. In dieser Zeit heilt die Achillessehne in korrigierter Länge wieder zusammen.


Schienenbehandlung
Nach Abnahme des letzten Gipses beginnt die wichtigste Phase zur Vermeidung eines Rückfalls (=Rezidiv): die Schienenbehandlung.

Je nach Befund verwenden wir eine Denis-Browne-Schiene oder eine ADM-Schiene. Die Denis-Browne-Schiene besteht aus kleinen Schuhen, die über eine Querstange miteinander verbunden sind. Sie hält die Füße in einer korrigierten Außenrotationsstellung. Die ADM-Schiene ist eine dynamische Orthese, die vor allem bei bestimmten individuellen Situationen eine Alternative sein kann.

Die Schiene wird zunächst drei Monate Tag und Nacht getragen. Im weiteren Verlauf wird die Tragezeit reduziert (nur Nachts und zum Mittagsschlaf). In der Regel soll die Schiene bis zum vierten Geburtstag nachts getragen werden. Dieses lange Tragen ist für viele Familien herausfordernd, aber sehr wichtig: Die Schiene hält das gute Korrekturergebnis und senkt das Risiko eines Rezidivs deutlich.


Bei komplexen, neurogenen oder syndromalen Klumpfüßen können zusätzlich individuell angepasste Orthesen notwendig sein. Diese werden gemeinsam mit der Orthopädietechnik angepasst und regelmäßig kontrolliert.

Klumpfuß: Behandlungablauf

  • Erste Vorstellung
    Nach der Geburt oder nach Diagnosestellung erfolgt die erste Untersuchung in unserer kinderorthopädischen Sprechstunde. Wir erklären den Befund, besprechen den Behandlungsplan und beginnen — wenn möglich — zeitnah mit der Ponseti-Gipsbehandlung.

  • Wöchentliche Gipswechsel
    Die Korrektur erfolgt schrittweise. Bei jedem Termin wird der alte Gips entfernt, der Fuß untersucht und vorsichtig weiter korrigiert. Anschließend wird ein neuer Gips angelegt. Die Eltern erhalten genaue Hinweise zur Hautkontrolle, zum Umgang mit dem Gips und dazu, wann sie sich bei Problemen melden sollen.

  • Tenotomie und letzter Gips
    Wenn die Ferse noch nicht ausreichend nach unten kommt, wird eine Achillotenotomie durchgeführt. Danach folgt in der Regel ein letzter Gips für etwa drei Wochen.

  • Anpassung der Schiene
    Direkt nach der letzten Gipsabnahme wird die Schiene angepasst. Ein nahtloser Übergang ist wichtig, damit der Fuß nicht wieder in die alte Fehlstellung zurückgeht. Wir zeigen den Eltern ausführlich, wie die Schiene angelegt wird, worauf bei Haut, Ferse und Zehen geachtet werden muss und wie die tägliche Routine gelingen kann.

  • Regelmäßige Kontrollen
    Auch nach guter Korrektur bleibt der Klumpfuß kontrollbedürftig. Wir kontrollieren Fußstellung, Beweglichkeit, Gangentwicklung, Schienenpassform und Orthesenversorgung. Besonders in Wachstumsphasen achten wir darauf, ob sich ein Rückfall andeutet.

 

Rezidiv-Klumpfuß

Ein Rezidiv bedeutet, dass sich einzelne Anteile der Klumpfußfehlstellung erneut zeigen. Das kann trotz zunächst erfolgreicher Behandlung auftreten.

Häufige Hinweise sind:

  • Der Fuß dreht wieder nach innen.
  • Die Ferse kommt schlechter nach unten.
  • Die Beweglichkeit nimmt ab.
  • Das Kind läuft vermehrt auf dem Außenrand des Fußes.
  • Die Schiene passt schlechter oder wird nicht mehr toleriert.
  • Das Gangbild verändert sich.

Bei einem Rezidiv gibt es verschiedene konservative und operative Behandlungsmöglichkeiten. Welche Therapie sinnvoll ist, hängt vom Alter des Kindes, der Beweglichkeit des Fußes, dem Ausmaß des Rückfalls und der bisherigen Behandlung ab.

Mögliche Maßnahmen sind:

  • erneute Ponseti-Gipsbehandlung
  • Anpassung oder Wechsel der Schienen- und Orthesenversorgung
  • gezielte Physiotherapie und Dehnprogramme
  • erneute Achillessehnentenotomie oder Achillessehnenverlängerung
  • Sehnentransfer, zum Beispiel Versetzung der Tibialis-anterior-Sehne
  • knöcherne Korrekturen bei älteren Kindern oder ausgeprägten Fehlstellungen
  • komplexere operative Rekonstruktionen bei schweren, starren oder syndromalen Klumpfüßen
    Ziel ist immer, so schonend wie möglich und so stabil wie nötig zu behandeln.

Klumpfuß: Ziele der Behandlung

Die Behandlung des Klumpfußes soll:

  • eine möglichst gerade, belastbare Fußstellung erreichen
  • Schmerzen und Druckstellen vermeiden
  • die spätere Steh- und Gehfähigkeit unterstützen
  • eine normale Schuhversorgung ermöglichen
  • Rückfälle früh erkennen und behandeln
  • langfristige Einschränkungen im Alltag, Sport und in der Teilhabe vermeiden

Für eine individuelle Beratung und Therapieplanung vereinbaren Sie bitte einen Termin in unserer kinderorthopädischen Sprechstunde.

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